Berlin (bvl)     Rentnerinnen und Rentner sollten sich jedes Jahr aufs Neue fragen, ob sie Steuern zahlen müssen und ob eine Steuerklärung Pflicht ist. Zumindest sollten sie nicht einfach davon ausgehen, dass das Finanzamt sie bisher nicht behelligt hat und es auch künftig nicht tun wird, rät der Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL) in Berlin. Durch Rentenerhöhungen oder Veränderung der persönlichen Verhältnisse können sie in die Steuerpflicht gerutscht sein.

Noch muss die Mehrheit der rund 20 Millionen Rentner*innen aber keine Steuern zahlen, beruhigt und dass, obwohl es im letzten Jahr eine ordentliche Erhöhung gab: Zum 1. Juli 2020 stieg die Rente im Rentengebiet West um 3,45 Prozent und im Rentengebiet Ost um 4,20 Prozent. Wer 2020 ausschließlich eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung bezogen hat, kann anhand unserer Tabelle ablesen, ob Steuern anfallen. Maßgeblich ist die Bruttorente (inklusive Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung) sowie das Jahr des Rentenbeginns. Hat die Rente 2005 oder früher begonnen, beträgt der Rentenfreibetrag 50 Prozent. Für jeden späteren Rentenjahrgang wird er abgeschmolzen. Bei Rentenbeginn im Jahr 2020 liegt der steuerfreie Teil der Rente nur noch bei 20 Prozent.

Allerdings werden 2020 durch die Rentenerhöhung rund 63.000 Rentenbezieher mit Steuern belastet, schätzt die Bundesregierung. In diesen Fällen werden in der Regel nicht mehr als 50 Euro an Steuern fällig. Anders als die anfängliche Rente ist die reguläre Rentenerhöhung in voller Höhe steuerpflichtig. Der festgeschriebene, persönliche Rentenfreibetrag gilt für die gesamte Laufzeit der Rente.

Um die Steuerlast zu senken, sollten daher alle Aufwendungen in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Rentner*innen können zahlreiche Ausgaben abziehen, wie z.B. Spenden, Kosten für Medikamente, Brillen oder anerkannte Therapien, Aufwendungen für Haushaltshilfe oder Handwerkerarbeiten im Haushalt. Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung sind ebenfalls abzugsfähig. Werden keine höheren Aufwendungen erklärt bzw. nachgewiesen, berücksichtigt das Finanzamt automatisch einen Werbungskosten-Pauschbetrag von 102 Euro. Für Sonderausgaben gilt ein Pauschbetrag von 36 Euro. Bis spätestens 2. August 2021 muss die Steuererklärung für 2020 beim Finanzamt sein. Bis zum 28. Februar 2022 ist Zeit, wenn ein Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater die Erklärung erstellt.

Aktuell werden mitunter Neunzigjährige aufgefordert, rückwirkend ab dem Jahr 2016 Steuererklärungen nachzuholen. Grundsätzlich kann das Finanzamt für die letzten sieben Jahre zur Abgabe einer Erklärung auffordern. Außerdem werden nach 15 Monaten Karenzzeit 0,5 Prozent Zinsen je vollen Verspätungsmonat fällig. Allerdings ist die Höhe der Zinsen umstritten. Das Bundesverfassungsgericht muss klären, ob das in Zeiten der Niedrigzinsen noch angemessen ist. Hinzu kommt für Steuernachzahlungen ein Verspätungszuschlag von mindestens 25 € pro Monat. Besser ist es, vorher die Notbremse zu ziehen.

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